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Intensivwoche |
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Das Organisieren einer Intensivwoche kann sich aus verschiedenen Gründen anbieten:
Geschichte der Intensivwoche (Aus dem Journal "Dyskalkulie, Prävention, Therapie" von Dr. Rolf Gubler) Noch vor 15 Jahren verteilten wir die Zeit für unseren Einzelunterricht routinemässig so, wie es damals hierzulande für Einzelunterricht üblich war: Für den einzelnen Schüler wurde wöchentlich einmal während einer Lektion gearbeitet und in Ausnahmefällen konnten es auch einmal zwei Lektionen in einer Woche sein. Die Lektionsdauer betrug 50 - 60 Minuten. Bei Krankheit, Schulreisen, besonderen Ereignissen (z.B. Hauptprobe für eine Ballettaufführung, wichtige Geburtstagseinladungen, Sportnachmittag in der Schule) wurde aus verschiedenen Gründen auf den Unterricht verzichtet. Mit der Zeit kam es immer häufiger vor, dass während mehrerer Monate nur wenige Lektionen durchgeführt werden konnten. So brauchte es nur wenig, dass zwischen Julimitte und Oktobermitte (Anfang Sommerferien bis Ende Herbstferien) nur 5 Lektionen unter Dach gebracht werden konnten. Ähnlich negativ sah die Bilanz auch vor Weihnachten oder um die Sportferien aus, ganz zu schweigen von den Ausfällen bei Montagslektionen (Ostern, Pfingsten, in Zürich zusätzlich das Sechseläuten und das Knabenschiessen). In besonderen dringenden Fällen haben wir darum begonnen, den Unterricht konzentrierter zu erteilen. Unsere Überraschung war nicht klein, als wir feststellen mussten, dass wir damit nicht nur rascher ans Ziel gelangen konnten, sondern dass dies sogar mit einer kürzeren Unterrichtszeit möglich war. Als Faustregel galt bald, dass eine Woche Intensivunterricht als etwa gleichwertig zu einem halben Jahr "Normalunterricht" einzusetzen war. Heute kennen wir den "Normalunterricht" mit einer oder zwei Lektionen in der Woche praktisch nicht mehr. Der Grund dafür ist sehr einfach zu nennen: Das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag ist für alle Beteiligten sehr viel ungünstiger. Organisation der Intensivwoche Dieser Unterricht wird grundsätzlich wochenweise organisiert. Er beginnt am Montagmorgen und endet am Freitagnachmittag. Am Morgen und am Nachmittag wird je während 90 Minuten Unterricht erteilt (ausser am unterrichtsfreien Mittwochnachmittag). Routinemässig finden die Lektionen von 8.00 Uhr bis 9.30 Uhr und von 14.00 Uhr bis 15.30 Uhr (oder von 10.30 Uhr bis 12.00 Uhr und von 16.00 Uhr bis 17.30 Uhr) statt. Manchmal ist es sinnvoll, die Unterrichtszeiten etwas zu variieren, je nach Arbeitstempo des Schülers. Vom Morgen auf den Nachmittag und vom Nachmittag auf den anderen Morgen wird mit je zwei bis drei Stunden intensiver Hausarbeit gerechnet. Vom Mittwochmorgen auf den Donnerstagmorgen gilt dieselbe oder eine grössere Hausaufgabenzeit. Für die Hausaufgaben bedeutet dies, dass sie dann auf optimale Art organisiert werden können und dass sie beim Aufkommen von irgendwelchen Problemen auch kurzfristig angepasst werden können. Darum ist es unter diesen Bedingungen möglich, täglich nebst mindestens zweieinhalb Stunden Unterricht noch Hausaufgaben von insgesamt vier bis sechs oder noch mehr Stunden Dauer zu erteilen. Am Rande sei hier vermerkt, dass diese "vielen" Hausaufgaben im Durchschnitt weit besser gelöst werden, als wenig Aufgaben über eine Woche von Schülern mit viel Freizeit. Die Mahlzeiten dienen als willkommene Abwechslung. Ein Fussmarsch zum oder vom Unterrichtsort kann nur empfohlen werden. Für die Hausaufgabenzeit steht ein separater Raum zur Verfügung. Für sehr anspruchsvolle Fälle von Dyskalkulie ist eine Intensivwoche die ideale Organisationsform für eine erfolgversprechende Therapie. Schülerbegleitung und Wohnen In der Regel kommen die Schüler in Begleitung nach Bottighofen. Die Ausnahmen bilden ältere Schüler (etwa ab 17 Jahren) und Erwachsene, welche eine Begleitung ausdrücklich ablehnen oder bei denen es nicht möglich ist, eine sinnvolle Begleitung für mögliche Termine zu organisieren. Die Aufgabe der Begleitperson ist es, die ganze notwendige "Infrastruktur" für einen optimalen Therapieverlauf zu organisieren und auch für das psychische Wohl der Schüler zu sorgen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem "Abfragen" zu, denn das kann man ja nicht mit sich selbst tun. In Idealfällen ist das Verhältnis zwischen Schüler und Begleitperson so locker und positiv, dass ihre Anwesenheit während des gesamten Unterrichtes nicht nur nicht stört, sondern dass dadurch sogar eine wesentliche Effizienzsteigerung bei der Bewältigung der Hausaufgaben (und evtl. später bei den Schulaufgaben) erreicht werden kann. Häufig werden die Schüler von ihrer Mutter oder von ihrem Vater begleitet. Aber auch die "grosse" Schwester, ein Onkel oder eine Freundin kommen als Begleitperson in Frage. Wichtig ist, dass der Schüler mit dieser ein sehr gutes Verhältnis besitzt und dass evtl. Spannungen sich innert kürzester Zeit wieder lösen. Begleitpersonen, welche die Anweisungen nicht ernst nehmen, die Arbeitsweise der Unterrichtenden nicht erfassen oder ablehnen, sind ungeeignet. Schüler und Begleitpersonen wohnen meistens im Hotel oder in einer Ferienwohnung. Wieder in der Schule Nach einer oder zwei Wochen Intensivunterricht ist es wie nach einem Spitalaufenthalt. Wenn man eine optimale Heilung will, dann muss man sich genau an die gegebenen Anweisungen halten und man muss mit der vollen Beanspruchung etwas zuwarten. Was würde man von einem Lehrer halten, welcher ein Kind nach einer Knieoperation in der nächsten Turnstunde mit Zwang über die Hindernisbahn hetzen würde? Nach einer Woche intensiver Therapie kann abruptes Fordern der vollen Leistung ebenfalls zu negativen Begleiterscheinungen führen. Es kommt aber auch vor, dass ein Schüler nach der Rückkehr in die Schule so viel besser arbeitet und sich so viel souveräner verhält, dass sein Lehrer Mühe hat, dies zu akzeptieren. Überall dort, wo bei der Rückkehr Schwierigkeiten mit dem Lehrer zu befürchten sind, werden die Schüler speziell auf die Rückkehr in die Schule vorbereitet. Oft ist es dann sogar so, dass Schüler ihre Lehrer liebenswürdiger und toleranter beurteilen, als sie von diesen behandelt werden. | |