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Die Therapie Klaren Bescheid erhalten Sie durch eine vorgängige Abklärung. Der dazugehörende Bericht umfasst die Situationsbeschreibung (Diagnose) und präzise Hinweise auf Behandlungsmöglichkeiten. Erst nach der Abklärung kann eine Therapie sinnvoll angegangen werden; sie findet immer im Einzelunterricht statt. Der Erfolg der Therapie ist nur noch eine Frage der persönlichen Einstellung dazu, der Organisation und des Aufwandes an Zeit, Geld und Energie. |
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Die Behandlung umfasst drei Bereiche:
Schon während der ersten gemeinsamen Arbeit wird in der Dyskalkulietherapie etwas mit Zahlen (oder Ziffern) und etwas ohne Zahlen zielstrebig angegangen, in der Legasthenietherapie entsprechend mit Wörtern (oder Buchstaben) und etwas ohne Wörter. Auf einfachster Ebene kann es sich in der ersten Lektion um das Kneten von Ziffern, das Lesen (und evtl. Schreiben) von Zahlen oder das Zählen handeln. Oder, wenn es sich um eine Legasthenietherapie handelt, um das Kneten von Buchstaben, das Lesen (und evtl. Schreiben) von Buchstaben und Wörtern. Gleich zu Beginn werden ganz klare Ziele angestrebt und dazu ganz präzise Hausaufgaben mitgegeben. Auf höherem Niveau beginnt bereits am Anfang das Auswendiglernen der Grundrechnungen mit der dazugehörigen lockeren Abruftechnik. In der Sprache beginnt der Umgang mit Rechtschreibregeln. Ohne Zahlen lässt sich gut mit dem Würfelmosaik beginnen. Wichtig ist dabei die unbedingte Arbeitsdisziplin und ein genügend hohes Anforderungsniveau. Dabei erhalten die Schüler (und evtl. Eltern) Informationen über die Zusammenhänge zwischen der Arbeit mit dem Würfelmosaik und den Rechen- oder Rechtschreibfähigkeiten. Flechten, genaues Nachbauen von (einfachen) Modellen ab Vorlagen mit einem Konstruktionsbaukasten, genaues und sorgfältiges Zeichnen von vorgegebenen Zierlinien, Arbeit mit Fischergeometric oder sorgfältiges Ausmalen von Zierfiguren eignen sich ebenfalls für den Anfang. In der Regel ist es so, dass bereits während einer ersten Lektion (von 60 oder mehr Minuten) mindestens drei bis vier Themen angegangen werden, bei denen für den Schüler spürbare Fortschritte erzielt werden können. Dazu gehören dann auch genau umrissene Hausaufgaben. Auch die zweite Lektion gehört zum Anfang. In allererster Linie werden die Hausaufgaben durchkontrolliert. Aktuelle Schulthemen werden nur in ganz speziellen Ausnahmen mitberücksichtigt, so etwa dann, wenn sich tatsächlich bei den gegebenen Voraussetzungen innert der gegebenen Zeit etwas Handfestes erarbeiten lässt. Besser geht es so, dass man sobald als möglich zukünftige Schulthemen so lange im Voraus solid erarbeitet, dass dann im Klassenverband der Erfolg von einem Tag auf den andern greifbar wird. Bei allem, was hier bisher gesagt worden ist, wurde stillschweigend vorausgesetzt, dass der ersten Therapielektion eine Detailabklärung vorausgegangen war. Sollte dies nicht der Fall gewesen sein, dann müsste mit der Therapiearbeit gänzlich anders angefangen werden. In diesem Fall müsste am Anfang die ganze zur Verfügung stehende Zeit (oder wenigstens ein erheblicher Teil davon) für eine "Miniabklärung" verwendet werden, um wenigstens zu denjenigen Informationen zu gelangen, welche einen überzeugenden Arbeitsbeginn überhaupt erst ermöglichen. Jede Verschwommenheit und alles "Abtasten" wirkt in dieser Phase zerstörerisch. Nachhilfeunterricht, Stützunterricht, Dyskalkulie-/ Legasthenietherapie Wer die Unterschiede nicht sieht, kann auch keine sinnvolle Wahl treffen. Natürlich weisen diese drei Unterrichtsformen auch Gemeinsamkeiten auf, aber heute werfen nur noch uninformierte Menschen Nachhilfeunterricht, Stützunterricht und Dyskalkulie-/ Legasthenieherapie in einen Topf, etwa unter dem Motto: "Es ist ja doch alles dasselbe." Nachhilfe, Stützunterricht und Dyskalkulie-/Legasthenietherapie können in ihren Ansätzen und in ihrer Zielsetzung klar unterschieden werden. Dabei stellt die Dyskalkulie-/Legasthenietherapie für die Behandelnden die grössten Ansprüche. Für erfahrene Fachleute kommt bei nicht nur vorübergehenden Schwierigkeiten praktisch nur eine Therapie mit vorgängiger Detailabklärung als sinnvolle Lösung in Frage, da alles andere auf mittlere und längere Frist ohne echte Erfolgschancen ist. Der Begriff "Nachhilfeunterricht" ist von den dreien der älteste, und er umfasste noch vor einigen Jahren auch das, was heute als Stützunterricht bezeichnet wird. ("Dyskalkulie" war zwar damals schon längst bekannt, aber eine "Dyskalkulietherapie" gab es damals noch nicht.) Nachhilfeunterricht Nachhilfeunterricht hat dort seinen Platz, wo es sich um etwas Ausserordentliches, Einmaliges, verhältnismässig rasch Vorübergehendes handelt. Es geht um eine kurzfristige Hilfeleistung, um die Bewältigung einer Panne, um das Auffangen einer Notsituation. Im Alltag würde dies etwa folgenden Situationen entsprechen: Man hilft einem gestürzten Velofahrer beim Einsammeln der verstreuten Sachen aus seiner Einkaufstasche.Man hilft bei einer Reifenpanne beim Radwechsel. Man nimmt einen Anhalter, der den Bus verpasst hat, im Auto mit. Auf die Schule übertragen sehen Situationen, bei denen Nachhilfeunterricht angebracht ist, etwa so aus: Ein Schüler ist krank gewesen und hat im Rechnen oder in der Sprache einige Kapitel verpasst. Weil der neue Lehrer "alles" anders macht, ist der Schüler blockiert. Wegen eines Todesfalls in der Familie brechen die Schulleistungen zusammen. Nachhilfeunterricht hat immer nur vorübergehenden Charakter. Wenn das Fehlende nachgeholt ist, dann wird der Nachhilfeunterricht abgeschlossen. Nachhilfe kann praktisch jedermann erteilen, der im entsprechenden Thema bewandert ist. Stützunterricht Beim Stützunterricht geht es um ergänzenden, den Normalunterricht über eine geraume Zeit stützenden Unterricht. Im Alltag würde dies etwa folgenden Situationen entsprechen: Nach einem Beinbruch geht man an Krücken. Man nimmt wegen einer Krankheit Medikamente ein. Weil man nicht über die notwendigen Fähigkeiten verfügt, unternimmt man Bergtouren nur mit einem Bergführer. Auf die Schule übertragen sehen Situationen, bei denen Stützunterricht angebracht ist, etwa so aus: Der Schüler braucht mehr "Verdauungszeit", als ihm routinemässig in der Schule zur Verfügung steht zwischen der Einführung eines Themas und der Prüfung darüber. Er wird durch die spezielle Art der Lehrererklärungen mehr verwirrt, als dass er durch diese zu klaren Zusammenhängen kommt. Er ist durch eine körperlich oder psychisch bedingte Normabweichung im Verhalten gestört bei der Informationsaufnahme in der Schule. Man akzeptiert den gegebenen Mangel und erreicht durch die Hilfe, dass sich die negativen Folgen des Mangels während der Zeit der Hilfestellung in tolerierbaren Grenzen halten. Der Schüler gilt als "Chronischkranker". Entsprechend sind auch die Erwartungen an den Lehrer, der Stützunterricht erteilt, verhältnismässig bescheiden: Es wird kein (erfolgreicher) Abschluss seiner Arbeit erwartet, da sowieso nicht an eine grundsätzliche Heilung gedacht wird. In der Regel wird Stützunterricht an den meisten Orten von ausgebildeten Lehrern oder Lehrerinnen erteilt. Eine Zusatzausbildung wird dafür üblicherweise nicht verlangt. Für die Planung des Unterrichts werden von den Lehrern weder Detailabklärungen noch grundlegende Nachholprogramme organisiert. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um eine Stütze des jeweils aktuellen Schulunterrichtes. Dyskalkulie-/Legasthenietherapie Sie ist dort angebracht, wo es darum geht, dass das Übel an der Wurzel gepackt wird. Bei der Dyskalkulie-/ Legasthenietherapie geht es um vollständige oder doch weitgehende Heilung. Sie setzt bei den grundlegenden Ursachen der Fehlleistungen ein. Darum können auch die meisten rechtzeitig behandelten Schüler als vollständig geheilt entlassen werden. Im Alltag würde dies etwa folgenden Situationen entsprechen: Man geht bei einem Menschen den Ursachen seines Kopfwehs nach und beseitigt dieses. Man verarztet den schwer verunfallten Motorradfahrer (sofort!) so, dass man mit allem möglichen Aufwand all das wieder heilt, was überhaupt noch heilbar ist. Man saniert die alten, verrosteten und damit gefährlichen Gasleitungen eines alten Hauses grundlegend. Auf die Schule übertragen ist Dyskalkulie-/ Legasthenietherapie dort angebracht, wo es sich nicht um eine vorübergehende Kleinigkeit handelt und wo man eine ganze oder wenigstens teilweise Heilung wünscht. Auch eine Dyskalkulie-/ Legasthenietherapie hat nur vorübergehenden Charakter wie der Nachhilfeunterricht. Wenn die Rechenschwäche oder die Lese-/ Rechtschreibschwäche geheilt ist, dann wird die Therapie abgeschlossen. Dyskalkulie-/ Legasthenietherapeuten brauchen eine Spezialausbildung, da die übliche Lehrerausbildung keinerlei Grundlagen für eine solche Arbeit liefert. Ohne eine vorgängige Abklärung können auch von ausgebildeten Fachleuten keine Therapien erfolgreich geplant, durchgeführt und abgeschlossen werden. Es ist in seltenen Fällen möglich, eine Dyskalkulie-/ Legasthenietherapie ohne begleitende Erziehungsanpassungen zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Die entsprechende Erziehungsberatung bildet darum (im Gegensatz zum Nachhilfe- oder Stützunterricht) einen integrierenden Bestandteil der meisten erfolgreich ablaufenden Therapien. Nachhilfeunterricht, Stützunterricht oder Dyskalkulie-/ Legasthenietherapie? Wegen einer kleinen Schürfwunde am Knie geht man nicht schnurstracks zum Kniespezialisten, aber wenn man sein Knie verrenkt oder gebrochen hat, dann ist es besser, man "doktert" nicht allzu lange selbst daran herum. Und wenn man nicht weiss, ob beim verunfallten Knie fachmännischer Rat notwendig ist? Dann weiss man dies bei vorläufiger Selbsttherapierung auch bei langem Zögern spätestens nach einigen Monaten: Wenn sich die Situation nicht grundlegend gebessert hat, dann ist es höchste Zeit für einen guten Spezialisten, will man nicht allzu schlimme Folgeerscheinungen auf sich nehmen. In der Schule ist es ähnlich. Bei spontanen, kleinen Pannen ist eine Nachhilfe durchaus das Richtige. Dadurch können grössere spätere Schwierigkeiten weitgehend vermieden werden. Sofern sich der Schüler gut verträgt mit der Person, welche nachhilft, ist es unwesentlich, wer dies tut. Dies kann die Mutter, der grosse Bruder, die Nachbarin, der Onkel, die Lehrerin oder auch der Freund sein. Dauern aber die Schwierigkeiten an, dann wird Stützunterricht oder eine Dyskalkulie-/ Legasthenietherapie ins Auge gefasst. Und hier trennen sich die Ansichten. Ausgebildete Dyskalkulie-/ Legasthenietherapeuten mit genügend Berufserfahrung wissen, dass in solchen Situationen nur mit einer Detailabklärung und systematischer Therapie eine vollständige Heilung oder zumindest eine entscheidende Besserung erreicht werden kann. Sie empfehlen deshalb diesen Weg mit Überzeugung. Lehrer und andere Bezugspersonen ohne eigene Berufserfahrung mit der Dyskalkulie-/ Legasthenietherapie empfehlen bei derselben Ausgangslage meist "zuerst einmal" Stützunterricht. "Man kann dann schauen, wie sich die Sache entwickelt." Erfahrungsgemäss endet diese "einfache" Variante meist damit, dass man dem Schüler mangelnde Fähigkeiten zuschreibt, und dies selbst dann, wenn die Schwäche eindeutig auf unpassende Unterrichtsmethoden zurückgeführt werden kann. Wertvolle Zeit geht verloren und sehr oft auch die Motivation fürs Lernen überhaupt. | |